18. Mai 2016


Das Abenteuer hat begonnen. Pünktlich um 15:02 Uhr ist der Zug von Göttingen nach Berlin mit meinem Freund Werner und mir abgefahren.

Die erste Etappe ist geschafft. Am Flughafen Tegel gut angekommen. Formalitäten erledigt und Gepäck der 35 Reiseteilnehmer aufgegeben.
Jörch ist auch wieder dabei!
Der Sicherhetscheck ging schnell. Jetzt müssen wir uns bis zum Boarding noch in Geduld üben. Mit Air Berlin, Flug AB 8380, starten wir um 22:35 Uhr nach Tel Aviv - Israel, wir kommen 🇮🇱😄!
Boarding ist erfolgt, Sitzplatz eingenommen, gleich geht es los. 4 Std. Flug liegen vor uns, die werden wie im Flug vergehen 😄.
Der A321 war schneller als gedacht - schon um 2:14 Uhr, Ortszeit 3:14 Uhr, sind wir im gelobten Land gelandet 🇮🇱😄.
Unseren Tourguide Yalon und den Reisebus mit Fahrer Deaib haben wir gefunden. Während der Begrüßung von unserem Reiseführer Sven wurden wir auf die drei wichtigsten Dinge in Israel hingewiesen: "Trinken, trinken, trinken!". Desweiteren merkt er an, dass wir während unserer Reise durch das Land feststellen werden, dass Schlaf überbewertet wird. 
Es ist jetzt 5:10 Uhr Ortsszeit und 22 Grad warm. Der Tag kündigt sich langsam an.
Wir sind auf den Weg in den Norden. Bevor wir heute im Grenzgebiet von Israel und Libanon die israelische Grenzeinheit "Yagal" besuchen werden, erwartet uns noch ein Frühstück.

19. Mai 2016

Der Sonnenaufgang kündigt uns einen schönen Tag an 🌞
Auf der gut ausgebauten Autobahn kommen wir bestens voran.
Auf einer Schotterpiste ging es vorbei an Weinreben zu unserem Frühstück.
Am Ziel angekommen bgrüßt uns Yalon offiziell in Israel und gibt uns einen Überbkick über die Gegend, wo wir uns gerade befinden.
Wir befinden uns auf einer Höhe von 800 Metern im Finger von Galiäa mit Blick auf die Golanhöhen, über das ehemals sumpfigem, jetzt landwirtschaftlich genutzten,  Jordantal, dass auch für Zugvögel als Durchzugsgebiet dient.
Bei solch einer Aussicht hat uns Hannah, die als gute Zauberfee für unser leibliches Wohl während unsere Tour sorgen wird, mit ihren Helfern ein leckeres Frühstück bereitet.
Nachdem wir uns gestärkt haben geht es weiter zu unserem offiziellen Termin bei der Yagal-Einheit. Sven gibt uns auf der Fahrt dorthin einen Überblick über die Situation in Jordanien und am Grenzstreifen. Yalon erläutert uns das Bewässerungssystem in Israel. Über verlegte Wasserleitungen wird jede Pflanze tröpfchenweise mit Wasser versorgt. Problem ist das Trinkwasser, dass durch Meerwasserntsalzungsanlagen mit einem sehr hohen Energiebedarf produziert wird. Wir erreichen nach einer Fahrt von ca. 20 min die nördlichste Stadt Israels, Kirjat Schmona, in der die Yogal-Einheit stationiert ist.
Bedienstete der Einheit haben in einem 1,5 stündigen Vortrag über Ihre Arbeit berichtet.
Anschließend geht es mit dem Bus zur Grenze nach Metula, den nördlichste Ort Israels.
Hier wurde uns die Situation an der Grenze an Hand einer Übung vermittelt. Die Grenze ist teilweise durch eine Mauer oder durch einen elektronisch verdrahteten Zaun gesichert. Entlang des Grenzstreifens gibt es noch verminte Gebiete, die durch ein rotes Dreieck gekennzeichnet sind und nicht betreten werden dürfen.
Im Grenzbezirk fahren Soldaten der UN noch Patroullie. Nach Verabschiedung der Polizisten legen wir eine Mittagspause ein. Danach geht es zum Rafting auf die Lebenader Israels, den Jordan.
Nach einer kurzen Einweisung durften max. 6 Personen mit zwei Paddel in das Schlauchboot. Dann wurden wir auf einer Rampe in den Jordan gelassen. Es ging über kleine Stromschnellen und eine Wasserstufe. An Wasserduschen kam man nicht vorbei. Es war ein feucht/fröhlicher Spaß 🚤😂!
Anschließend haben wir unsere Zelte in der Nähe des Bootsanlegers im Nationalpark Dafna für die Nacht aufgeschlagen.
Begrüßt wurden wir von Hannah mit einer leckeren Suppe.
Das Abendessen kocht Hannah mit Unterstützung aus der Gruppe.
Zum Abschluss des Tages hat sich jeder Reiseteilnehmer in der großen Runde vorgestellt und Sven einen Ausblick auf den morgigen Tag gegeben. Morgen wird das Camp in der Früh abgebaut und nach dem Frühstück geht es ans Tote Meer und auf die Festung Massada.

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20. Mai 2016

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Die Nacht haben wir gut geschlafen und den neuen Tag mit einem tollen Frühstück begonnen, dass Hannah mit Helfern gezaubert hat.
Gegen 8:00 Uhr machten wir uns auf den Weg in den Süden des Landes. Die Fahrt beginnt mit dem Lied der Barry Sisters "Hava nagila", bei dem ordentlich mitgeklatscht wird.
Die Fahrt vom grünen Norden in den trockenen Süden führt uns durch 3/4 des Landes Israel.
Auf 22.380 qkm Kernland und 6.832 qkm besetzen Gebiet leben insgesamt 9 Mio. Menschen. Israel ist 450 km lang, 150 km und an der schmalsten Stelle sogar nur 15 km breit.
Den See Genezareth, der 200 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, umfahren wir am Ostufer, entlang der Grenze zu Jordanien. 
Auf dem Weg zum Toten Meer halten wir bei einem privaten Denkmal. Es wurde an der Grenze zu Jordanien errichtet, weil nach Unterzeichnung des Friedensvertrags mit Jordanien, ein jordanischer Grenzerüber den Grenzzaun zu Israel, auf eine Schulklasse geschossen hat und dabei 5 Mädchen im Alter von 13 - 15 ums Leben kamen. An dieser Stelle befand sich früher ein kleines Wasserkraftwerk, das heute eine Industrieruine ist. 
Yalon hat uns auch durch ein Grenztor auf jordanisches Gebiet führen können und auf das Tor der Könige von Jordanien aufmerksam gemacht.
Weiter ging es in den Süden entlang des Jordan, der die Grenze zu Jordanien bildet. 
Sven weist uns auf die Kreuzritterfestung "Bellvoi", die von 1168 - 1189 bestand, hin, von der man einen traumhaften Blick über das Gebiet hat. Auch kommen wir an Mangoplantagen vorbei, die sich auf der israelischen Seite befinden.
Unser Weg zur Festung Massada führt uns vorbei an der Stadt Jericho mit dem Berg der Versuchung. Die Stadt gilt als älteste Stadt Israels. Dann erblicken wir das Tote Meer. Yalon berichtet, dass esdurch den Jordan und durch Regenfälle in den Wintermonaten gespeist wird. Da der Jordan jedoch nicht mehr soviel Wasser führt und die Niederschläge abgenommen haben, singt der Wasserspiegel mit der zunehmenden Verdunstung jährlich um einen Meter. Der Salzgehalt beträgt 33 Prozent und ist damit 36 x höher als bei der Nordsee. In der Mitte des Toten Meeres verläuft die Grenze zwischen Jordanien und Israel.
Der Berg der Festung Massada taucht auf. Die Festung wurde errichtet auf einem gewaltigen Felsblock, der isoliert von den anderen umliegenden Felswänden auf einer Höhe von 450 Metern über dem Spiegel des Toten Meeres liegt.
Wir erklimmen den Berg auf dem Schlangenpfad, der auf seiner östliche Seite liegt.
Oben angekommen, eröffnet sichern gigantischer Blick. Yalon führt uns über das Gelände der Festung. Er berichtet, dass diese ursprünglich von König Herodes als Rückzugsort errichtet wurde. Sie warschon zu der Zeit mit Thermen ausgestattet, deren Fußböden und Wände beheizt wurden. Bäder, Vorratsräume und eine Synagoge haben nicht gefehlt. Die Zisternen, die durch ein besonderes System zurAbleitung des Regenwassers gefüllt wurden, dienten zur Trinkwasserversorgung. Später wurde die Festung zum Ende der Zeit des Zweiten Tempels die letzte Zufluchtstätte judäischer Freiheitskämpfer gegen die römische Armee. Sie symbolisiert den gewaltsamen Untergang Judäas. Da die Festung als uneinnehmbar galt, belagerten die Römer die Festung und bauten, um sie einzunehmen, eine Rampe auf der Westseite des Berges, an der wir die Festung auch wieder verlassen haben.
Der Weg zu unserem Camp Mamshit, dass in der Steinwüste Negev liegt, führt uns durch eine einsame und karge Landschaft, durch die uns unser Busfahrer, Deaib, sicher fährt. Das Land Israel besteht zu50 % aus Wüste. Neben der Negevwüste gibt es noch die Judäische Wüste.
Nach erreichen des Camps sind die Zelte wieder schnell aufgebaut. Bevor wir uns über Hannahs Kochkünste erfreuen können, gibt Sven uns einen Überblick über den kommenden Tag. Es wird uns eine Wanderung durch den kleinen Ramonkrater mit einer kleinen Aufgabenstellung erwarten. Anschließend werden wir die Wüstenrettungseinheit treffen. Sonnenschutz für Kopf und Haut, festes Schuhwerk und mindesten die Mitnahme von 3 Liter Wasser für Jeden sind erforderlich. Ein erlebnisreicher Tag ging wieder viel zu schnell zu Ende.

21. Mai 2016

Die Nacht haben wir gut geschlafen. Lautes Vogelgezwitscher hat uns schon um kurz nach fünf aus dem Schlaf gerissen. Das war auch gut, denn so konnten wir den Sonnenaufgang in der Wüste wenigstens verfolgen.
Auf dem Weg zu den Waschräumen kommt man bei den fleißigen Helfern für die Frühstücksvorbereitung vorbei. Das Ergebnis ihrer Arbeit stärkte uns für die kommenden Aufgaben. Es war ausreichend für jeden dabei, um sich Verpflegung für den Tag mitzunehmen. Unser Guide, Effi, war erneut am Prüfen des Kartenmaterials für unsere heutige Tour.
Pünktlich um 7 Uhr ging es los. Der Bus hat uns in einer einstündigen Fahrt zum oberen Einstieg in den kleinen Ramonkrater, der einen Durchmesser von 5 km hat und durch Erosion entstanden ist, gebracht. Auf dem Weg  dorthin durchfahren wir ausschließlich Wüstengebiet.
Am Ziel angekommen wurden wir in sieben kleine Gruppen aufgeteilt, denn Effi hat sich etwas für uns ausgedacht. Jede Gruppe erhielt Karten, Kompass und Koordinaten, an denen sich im Krater besonders gekennzeichnete Punkte befinden sollten. Für die Gruppen galt es diese Punkte selbstständig zu finden. Hinter dem Kraterausgang werden die Gruppen denn unseren Bus wieder antreffen. Jede Gruppe startete im Abstand von 10 Minuten. Vor dem Einstieg in den Krater wurden die Trinkvorräte geprüft und Effi informierte uns über Verhaltensregel und Naturgegebenheiten. Der steile Abstieg in den Krater war sehr mühsam. Unten angekommen galt es, die besonderen Punkte zu finden.
Im Krater gab Effi Informationen zum Kratergestein, Flora und Fauna. Trotz brütender Hitze wurde bei fast jeder Rast Kaffee oder Tee gekocht. Auf Grund der 31 Grad, gefühlt 40 Grad, im Krater, freuten die Gruppen sich über jedes schattige Plätzchen.
Am Kraterausgang staunten wir, dass wir für 10 km bei brütender Hitze 4 Stunden gebraucht haben und waren stolz auf unsere Leistung.
Nach dem Mittagessen in unserem Camp fuhren wir zur in der Wüste liegenden Stadt Arad, die bei den Einheimischen wegen eines Angelsees beliebt ist, und trafen die dort tätige Wüstenrettungseinheit. Die Einheit besteht aus freiwilligen Helfern und finanziert sich aus Spendengeldern. Wir wurden über deren Arbeit informiert und waren Teil einer Rettungsübung von zwei vermissten Jungen mit dem Namen Uri und Gilat, die es galt an Hand von vorliegenden Beschreibungen zu finden und zu retten.
Auf dem Rückweg zum Camp kommen wir an Kakteenplantagen vorbei. Sven weiß zu berichten, dass aus deren Früchte Schnaps gebrannt wird.
Nach dem Tag haben wir uns eine Erfrischung und ein leckeres Abendessen redlich verdient.
Den Abend lässt die Gruppe wieder mit einem Rückblick des vergangenen Tages Revue passieren und erhält von Sven einen Ausblick auf den kommenden Tag.

22. Mai 2016

Für die drei Helfer zur Vorbereitung des heutigen Frühstücks war die Nacht früh beendet. Auch heute wurde unter Anleitung der Küchenfee Hannah wieder eine kulinarische Vielfalt zubereitet, damit der Tag für die Gruppe gut beginnen konnte.
Um für den heutigen Programmpunkt gewappnet zu sein, stärkte sich die Gruppe ausreichend. Lunchpaket sowie mindestens 6 Liter Wasservorrat     packte jeder ein.
Pünktlich um 7 Uhr, bei bereits 22 Grad, machten wir uns auf den Weg zu unserem Ausgangspunkt, der in der Judäischen Wüste, auch Schattenwüste genannt, liegt. Auf dem Weg dorthin können wir kaum Schatten erblicken, kommen aber immer wieder an kleinen Beduinensiedlungen vorbei. Zur Zeit leben in der Wüste noch ca. 200000 Beduinen, die ihren Lebensunterhalt mit geregelter Arbeit undViehzucht bestreiten.
Am Ausgangspunkt angekommen erhielten wir von unserem Guide Effi Informationen und Verhaltensregeln zu unserer heutigen Tour im Desert. Wir werden ca. 8 Stunden im Nachal Ze'elim (Wadi Seiyal), demgrößten Wadi der Judäischen Wüste, maschieren, der im Toten Meer mündet. Auf einen guten Halt sollen wir achten, da es unterwegs sehr steile Streckenabschnitte mit rutschigem Untergrund geben wird.Während der gesamten Tour ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme sowie guter Sonnenschutz, sowohl für Haut und Kopf, unerlässlich. Gleich zu Tourbeginn konnten wir nachvollziehen, warum uns Effiausdrücklich darauf hinwies, denn die Sonne brannte schon am frühen Morgen unbeirrbar auf uns nieder. Kein Wunder, wenn man überlegt, dass wir uns nicht unweit vom 30. Längengrad aufhalten, auf dem sich weltweit vom Norden bis zum Süden Wüsten befinden, so auch die Negev-Wüste.
Eine atemberaubende Aussicht eröffnete sich für uns schon nach den ersten Metern, an der man am liebsten noch hätte bleiben wollen.
Vor dem Abstieg in den Wadi begegnen wir weitere Bewohner der Wüste, die sich von uns nicht aus der Ruhe bringen ließen.
Der Steile Abstieg, auf den Effi zuvor hingewiesen hat, verlangte von uns schon einiges ab, hatte aber keinen Einfluss auf die gute Laune der Gruppe.
Unten angkommen freuten wir uns über Schatten und eine längere Rast. Währenddessen zeigte uns Effi, wie man bei Trinkwasserknappheit sauberes Wasser in der Wüste selber herstellen kann.
Müdigkeit durfte nicht aufkommen, denn laut Effi steht noch ein langer Weg vor uns. So machten wir uns gespannt, auf das was kommen wird, wieder auf den Weg.
Nach einem ständigen Auf- und Abstieg in einem Brutkasten von gefühlt über 40 Grad, haben wir uns eine erneute Rast im Schatten einer Höhle verdient. Abwechslung boten uns zutrauliche Vögel, die sich sogar von Hand füttern ließen.
Da der Weg durch den Wadi sich nach winterlichen Regenfälle immer wieder verändert, erkundete Effi während der Pause den weiteren Verlauf. So mussten wir ca. 10 Meter unter einem unterspülten Felsenkrabbeln, um wieder auf den Pfad zu kommen. 
Es ist schon erstaunlich, dass unter solch widrigen Umständen Pfanzen immer wieder einen Weg finden zu wachsen.
Der Weg verengte sich immer mehr, bis wir uns schließlich in einer Klamm befanden, die über tausende von Jahren durch reißendes Wasser aus den Winterregenfällen geformt wurde.
Um einen Höhenunterschied von ca. 20 Metern zu überwinden mussten wir uns abseilen. Da das bei 35 Teilnehmern einige Zeit dauert, wurde im Schatten gewartet bis man dran war. Währenddessen hat uns für kurze Zeit ein weiterer Wüstenbewohner beobachtet.
Dann ging es ans Abseilen mit glücklicher Weise zwei super Helfern aus der Gruppe.
Nachdem wir das hinter uns hatten, verbreitete der Wadi sich schlagartig.
Noch war der Weg nicht zu Ende. Es ging Berg hoch und Berg runter. Dafür eröffneten sich immer wieder neue Ausblicke. In der Ferne erspähten wir als kleinen weißen Punkt den auf uns wartenden Bus. Bis wir den erreichen, sollte es noch etwas mehr als eine Stunden dauern. Der Blick auf das Tote Meer war ein Ansporn für uns voranzukommen, denn nach der Tour wollten wir uns darin treiben lassen.
Nach der letzten Steigung war es soweit, der Bus befand sich in greifbarer Nähe und das war gut so, denn im Rucksack befand sich kaum noch ein Schluck Trinkwasser. Die Erleichterung, nach neun Stunden Marsch und zurückgelegten 15,5 km das Ziel erreicht zu haben, war riesig. Da war das Begrüßungseis am Bus eine willkommene Abkühlung.
Die Festung Massada ist zum greifen nah, bis dahin hätten wir es bestimmt auch noch geschafft!
Im Toten Meer konnten wir uns nach der Anstrengung so richtig treiben lassen. Mit einem kühlen Getränk ließ es sich gut aushalten. Das haben wir uns auch verdient!
Nachdem wir ausreichend entspannt hatten, ging es zurück in das Camp. Aufgrund eines aufkommenden Wüstensturms mussten wir im Mannschaftzelt essen. Hannahs Kochkünste ließen uns schnell wieder zuKräften kommen. Mit Schilderung von kleinen Anekdoten erhielt jeder Teilnehmer für die Leistung durch das Nachal Zeelin von Sven eine Urkunde.

23. Mai 2016

Der Wüstensturm hat sich zum Glück in der Nacht gelegt, so dass wir am frühen Morgen die Zelte in Ruhe abbauen konnten. Eine etwas längere Fahrt steht vor uns, denn heute werden wir eine Radtour durch das Gaza-Grenzgebiet machen und dort einen Kibbuz besuchen.
Auf der Fahrt dorthin kommen wir an der Stadt Rahat vorbei. Sie ist mit 70.000 Einwohnern die größte Beduinenstadt der Welt.
Bei La Medavesh, in der Nähe vom Kibbuz Be'eri machten wir halt. Hier im Gaza-Grenzgebiet hatten wir eine geführte Mountenbiketour. 
Von der höchsten Erhebung in der Gegend, 160 Meter über NN, hatten wir einen Blick auf Gazastadt und das Mittelmeer.
Unser Guide führte uns vorbei an Ruinen von ehemaligen Produktionsstätten, die wegen der unsicheren Situation im Gebiet aufgegeben wurden. Hier durfte das obligatorische Gruppenfoto nicht fehlen.
Nach dem Fotostop ging es auf einer teilweise recht anspruchsvollen Strecke vorbei an Wasserspeicher aus der byzantinischen (4-6 Jahundert) und aus dem osmanischen Zeit in Israel (1516-1917).
Die letzten Kilometer ging durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Unterwegs begegneten wir Beduinen, die trotz der Nähe zum Gazastreifen hier ihre Schafherde weiden lassen.
Nach der Radtour ging es weiter zum Kibbuz Nirim, der nur 1,4 km von der Grenze zum Gazastreifen entfernt liegt. Auf der Fahrt dorthin fällt uns auf, dass neben den Bushaltestellen einer Art von Container stehen, die im Falle eines Beschusses für die Wartenden als Schutzraum dient.

Einer der Mitbegründer des Kibbuz hat uns empfangen. Er ist in Leipzig geboren und als Elfjähriger mit seinen Eltern 1936 nach Plästina ausgewandert. Vor 70 Jahren wurde der Kibbuz, der ausschließlich Landwirtschaft betreibt, gegründet. Da stand noch kein Baum auf dem Land. Es wird im Jahr 3-4 mal geerntet. Im Kibbuz leben 150 Menschen in Kooperation miteinander. Auf Grund des aktuellen Tunnelbaus aus dem Gaza machen sich die Bewohner große Sorgen um ihre Sicherheit. Mit einer eigenen Bereitschaftseinheit und einem Schutzraum wird für Sicherheit gesorgt.
Mittagspause haben wir in der Stadt Sderot gemacht. Sie gilt als eine der meist aus dem Gaza beschossenen Stadt. Von der täglichen Bedrohung war nichts zu merken. Für die Bevölkerung stehen ausreichend Schutzräume zur Verfügung.
Von dort machten wir uns auf dem Weg zu unserem letzten Lagerplatz, der vor den Toren von Tel Aviv liegt. Unterwegs sind wir an der Farm und dem Grab von Ariel Sharon, das auf einer kleinen Erhebung liegt, vorbeigekommen. Bei einer kurzen Pause auf einem Rastplatz konnten wir uns ein wenig die Beine vertreten.
Nach Ankunft im Camp wurden schnell die Zelte aufgebaut, denn Hannah hat mit ihren Helfern wieder ein leckeres Abendbrot, Geflügelfleisch in Holzkohle gegart, zubereitet.
Nach dem Essen hatten wir noch einen Termin mit dem Verbindungsoffizier der israelischen Polizei, Arieh Cohen. Wir erhielten von ihm einen Bericht über seine Arbeit beim Entschärfungkommando während der zweiten Intifada (palästinensischer Aufstand gegen Israel von September 2000 bis Februar 2005) und über die Arbeit der israelischen Polizei zur Gewährleistung der Sicherheit.

24. Mai 2016

Heute fahren wir von unserem Camp aus nach Jerusalem. Da direkt neben unserem Camp sich ein Baptisten-Dorf befindet nutzt Yalon auf der Fahrt die Zeit, um uns etwas über die vielen unterschiedlichen Relegionen in Israel zu erzählen. Desweiteren weist er uns daraufhin, dass das Land früher vorwiegend aus wüstenähnlichen Gelände bestand. Die jetzt, teilweise üppige Vegetation, verdankt man den Siedlern des Landes, die unermüdlich Beoflanzungen vorgenommen haben.
Die erste Station für uns heute ist die Gedenkstätte"Yad Vashem". Sie ist die bedeutendste Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und wissenschaftlichdokumentiert. Per Beschluss des Landes Israel wurde sie am 19.08.1953 als eine staatliche Behörde gegründet. Sie wird jährlich von über zwei Millionen Menschen besucht.
Mit der Gedenkstätte soll jedem Opfer die Identität wiedergegeben und ein Denkmal gesetzt werden. Auf dem weitläufigen Gelände sind eine Vielzahl von Skulturen und Gedenkstätten verteilt. Sven und Yalon führen uns über das Gelände und geben uns zu den einzelnen Stationen nähere Erläuterungen. Wir besuchen u.a. die "Halle der Erinnerung" mit der Gedenkflamme für die Opfer des Holocaust und den Namen der 22 größten Konzentrationslager, die exemplarisch für alle Orte der Vernichtung stehen. 
Im Anschluss besuchen wir die Altstadt von Jerusalem. Yalon berichtet, dass Jerusalem auch als "Goldene Stadt" bezeichnet wird. Der Name entstand auf Grund der goldschimmerden, mit Kalksandstein verkleideten Fassaden.
Die Altstadt wird von einer 4 km langen, 12 Meter hohen und ca. 2,5 Meter breiten Mauer aus dem 16. Jahrhundert umschlossen. In die Altstadt gelangt man durch acht prachtvolle Tore. Wir betreten die Altstadt durch das im Westen liegende Jaffator. Vor dem 1967 stattgefundenen Sechstagekrieg, in dem israelische Truppen die bis dahin unter jordanischer Kontrolle stehende Altstadt zurück eroberten, verlief hier entlang der Stadtmauer die jordanische Grenze. An das Tor schließt sich die Davidszitadelle an, die als Festung diente um die Westseite der Stadt zu sichern.
Die Altstadt von Jerusalem, die derzeitig von 30.000 Menschen bewohnt wird, teilt sich in vier religiös und ethnisch unterscheidende Viertel auf. Das Muslimische Viertel im Nordosten, das Christliche Viertel im Nordwesten, das Armenische Viertelim Südwesten und das Jüdische Viertel im Südosten.
Durch das Jaffator gelangen wir in das christliche und armenische Viertel. Yalon erläutert und geschichtliche Hintergründe und führt uns durch die einzelnen Viertel zur
ehemaligen Hauptstraße (Cardo) aus der römisch-byzantinischen Zeit Jerusalems. Ein kleiner Teil der Straße, der 4 Meter unter dem heutigen Straßenniveau liegt, wurde 1975 in zweijähriger Arbeit freigelegt und befindet sich im jüdischen Viertel. Der Cardo war eine Kolonnadenstr. und wurde durch steinerne Säulen sowie überdachte Passagen zu beiden Seiten gegliedert. Die Kolonnaden wurden durch Geschäfte gesäumt. Mit einem Wandgemälde wird dargestellt, wie die Straße mal ausgesehen hat. 
Im jüdischen Viertel befindet sich auch eine Ausgrabung der ältesten Stadtmauer Jerusalems. Sie wurde erbaut zu König Salomons Zeiten. Damit sollten neue Häuser, die außerhalb des zu König David Zeiten gebauten Stadtrings stehen, vor Feinde geschützt werden. Die Mauer hatte eine Höhe von 8-15 Meter.
Durch das jüdische Viertel führte uns Yalon auf einen Aussichtspunkt mit Blick auf den Ölberg und den Tempelberg samt Klagemauer, Felsendom und Al-Aqsa-Moschee, der drittwichtigsten Moschee im Islam. Die auf dem Aussichtspunkt ausgestellte Menora (siebenarmige Leuchter), gefertigt aus 24-karätigem Gold und einem Wert von ca. 3 Millionen US-Dollar, ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums und wurde bei Staatsgründung des Landes Israel in das Staatswappen aufgenommen. Sie gilt auch als Symbol für den Tempel. Im zweiten Tempel stand eine Menora, die bei Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. durch die Römer geraubt und nach Rom gebracht wurde. Eine Abbildung der geraubten Menora befindet sich im Titusbogen, ein Triumphbogen zur Erinnerung an den Triumphzug, in Rom. Mit der geraubten Menora ging auch die Bundeslade verloren, in der die 10 Gebote aufbewahrt wurden.
Yalon erzählt uns, dass die Klagemauer nicht, wie oft angenommen, eine Mauer des Tempels, sondern die westliche Stützmauer des Plateaus, auf dem der zweite Jerusalemer Tempel stand, ist. Ein Drittelder Mauer wurde von den Römern abgetragen und ein weiteres Drittel liegt unter der Erde. Nach dem Sechstagekrieg wurde der heute sichtbare Teil der Mauer von 18 Metern Höhe und 48 Metern Länge freigelegt. Dazu wurde das bis dahin in der Alstadt liegende marokkanische Viertel abgerissen. Die Klagemauer ist eine religiöse Stätte des Judentums. Sie wird täglich von vielen Menschen zum Beten besucht. Viele stecken aufgeschriebene Gebete, Wünsche und Danksagungen in die Ritzen und Spalten der Mauer. Sie stellt für viele Juden ein Symbol für den ewigen bestehenden Bund Gottes mit dem Volk dar. Die aus den Ritzen und Spalten fallenden Zettel werden aufgesammelt und monatlich auf dem Ölberg anonym bestattet.
Nach dem Besuch der Klagemauer führt uns Yalon durch die Altstadt zum Ausgangspunkt des Leidens Jesus Christus.
Das Leben in der Altstadt findet auf den engen Gassen statt. An einigen Hauseingängen befinden sich große plakatartige Bilder, die den vorbeikommenden anzeigen, dass der Bewohner mit muslimischen Glauben bereitseine Pilgerreise nach Mekka hinter sich hat.
Yalon zeigt uns den Ort, an dem Pontius Pilatus das Todesurteil über Jesus Christus gesprochen hat. Hier befand sich die Antoniusfestung und begann der Leidensweg von Jesus mit der Verurteilungs- undGeiselungskirche. Die "Via Dolorosa", ein Straßenzug durch Jerusalem, auf dem Jesus das Kreuz getragen haben soll, beginnt hier ebenfalls. Von hier sind bis zur Grabeskirche 14 Leidensstationen aufdem christlichen Prozessionsweg mit römischen Ziffern markiert. Yalon geht mit uns den Weg und erklärt die Stationen.